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Wissenswertes
Erdöl
Geschichte
Seit über 150 Jahren wird Erdöl in Deutschland industriell gefördert. Die erste erfolgreiche Bohrung 1858/59 in Wietze bei Celle gilt als eine der ersten der Welt. Der Höhepunkt der Erdölförderung in Deutschland wurde 1968 mit einer Jahresproduktion von rund 8 Mio. t erreicht. Der größte Teil der Erdölreserven lagert im Norddeutschen Becken, vorrangig in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Mit einem Anteil von rund 36 % am Primärenergieverbrauch ist Erdöl der mit Abstand wichtigste Energieträger in Deutschland, wobei die fossilen Energieträger mit einem Anteil von rund 78 % (2023) und 77 % (2024) im Allgemeinen stark gegenüber den erneuerbaren Energieträgern überwiegen (siehe auch Auswirkungen der Energiewende und des Strukturwandels).1 Im Jahr 2023 belief sich die heimische Erdölförderung auf rund 2 % des deutschen Jahresverbrauchs und der Anteil blieb damit im Vergleich zum Vorjahr gleich. Als einer der größten Mineralölverbraucher weltweit ist Deutschland somit fast vollständig auf den Import von Erdöl angewiesen. Die Rohölimporte sanken im Jahr 2023 auf rund 77 Mio. t. Sie stammten aus über 32 Ländern im Wert von rund 45 Mrd. Euro, wobei in 2023 59 % des importierten Rohöls auf die USA (14,2 Mio. t), Norwegen (13,8 Mio. t), Libyen (8,8 Mio. t.) und Kasachstan (8,7 Mio.t) entfiel.2 Russisches Rohöl wurde bis Mitte 2023 ausschließlich in Form von Linefill (Restmengen in der Druschba-Pipeline, etwa 0,2 Mio. t.) importiert und spielt seither im Bereich der Rohölimporte keine Rolle mehr.3 Die sicheren und wahrscheinlichen deutschen Erdölreserven werden zum 1. Januar 2024 auf knapp 23 Mio. t geschätzt. In Deutschland wurden im Jahr 2023 etwa 1,6 Mio. t Erdöl gefördert.4 Der Anteil an der weltweiten Erdölfördermenge betrug 2023 0,03 %. Der Wert des in Deutschland geförderten Erdöls lag für 2023 bei geschätzten 781 Mio. Euro, das sind 0,02 % des BIP. Etwa 5 % des Gesamtwertes der in Deutschland abgebauten Rohstoffe entfiel im Jahr 2023 auf Erdöl.
Damit rangierte Erdöl bei der wirtschaftlichen Bedeutung hinter Braunkohle und Erdgas an dritter Stelle der in Deutschland geförderten fossilen Energierohstoffe und an siebter Stelle aller heimisch abgebauten Rohstoffe. Im internationalen Vergleich der Erdölproduzierenden Länder belegte Deutschland im Jahr 2023 den 57. Platz (1970: 26. Platz). Zum Jahresende 2023 (2024) waren im Wirtschaftszweig der Gewinnung von Erdöl in Deutschland 1.940 (1.644) Personen beschäftigt (siehe auch Beschäftigung und Soziales).
Gewinnung
Im Jahr 2023 waren in Deutschland 45 Erdölfelder in Produktion. Auf ihnen wurde durch 685 Fördersonden in Bohranlagen (onshore) bzw. auf Förderplattformen (offshore) Erdöl gefördert. Die Erdölfelder Schleswig- Holsteins und Niedersachsens erbrachten 2023 zusammen fast 90 % der deutschen Gesamtproduktion. Die restliche Produktion verteilte sich vor allem auf Rheinland-Pfalz sowie Bayern und zu sehr geringen Anteilen auf Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Das größte deutsche Erdölfeld ist Heide-Mittelplate I, das sich im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer befindet. Es wird seit 1987 über eine Bohr- und Förderinsel sowie durch Bohrungen vom Festland aus erschlossen. Auf dieses Erdölfeld entfiel 2023 rund die Hälfte der gesamten deutschen Erdölfördermenge. Informationen zur Exploration und Produktion im Rohstoffsektor Erdöl und Erdgas werden jährlich im Bericht „Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland“ des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie veröffentlicht.
Verwendung
Erdöl ist ein fossiler Energieträger und dient v. a. als Treibstoff für Verkehrs- und Transportmittel und zur Beheizung von Gebäuden. Erdöl (Vergaserkraftstoff, Dieselkraftstoff, Flugkraftstoffe) hat in den letzten Jahren um die 93 % des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor ausgemacht.5 2023 wurden noch 28,5 % der Wohngebäude in Deutschland mit Heizöl beheizt, vor allen in ländlichen Gebieten ohne Anschluss an das Gasnetz. Zudem wird Erdöl insbesondere in der chemischen Industrie verwendet, beispielsweise für die Herstellung von Kunst- und Farbstoffen, Schaumstoff, Waschmitteln, Medikamenten, Schmiermitteln und Kosmetik.
Heimische Primärrohstoffe
Der Bedarf an Steine- und Erden-Rohstoffen (vor allem für die Baustoff-, Glas- und Keramikindustrie), Kaliprodukten (für die Landwirtschaft), Steinsalz (insbesondere für die chemische und pharmazeutische Industrie sowie als Auftausalz) sowie an einigen Industriemineralen kann vollständig aus heimischen Rohstoffquellen gedeckt werden. Auch einzelne Energierohstoffe wie die Braunkohle und Erdgas sowie Erdöl werden in Deutschland verbrauchsnah gefördert und tragen zur Versorgungssicherheit mit Rohstoffen bei (siehe auch Welche Rohstoffe werden in Deutschland abgebaut?).2
Mineralische Rohstoffe für Zukunftstechnologien werden in Deutschland aus dem Abbau aktuell nur in geringen Mengen produziert. Dazu zählen die Industrieminerale Fluss- und Schwerspat, Graphit, Feldspat sowie grobkörniger Quarz bzw. Quarzkies für die Herstellung von Silizium, aber auch Lithium.3,4 Bei der Gewinnung gelten im internationalen Vergleich hohe Umwelt- und Sozialstandards. Die Produktion reicht allerdings nicht aus, um den Rohstoffbedarf zu decken, und weitere Metalle wie Kobalt, Nickel oder Seltene Erden werden in Deutschland nicht abgebaut. Dies wird zudem über die folgende Graphik zur Außenhandelsbilanz deutlich.

Quellenangaben
1 Vgl. Rohstoffstrategie der Bundesregierung: Sicherung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung Deutschlands mit nicht-energetischen mineralischen Rohstoffen (2020). URL (Stand: August 2022): https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/rohstoffstrategie-bundesregierung.html.
2 BGR (2017): Heimische mineralische Rohstoffe – unverzichtbar für Deutschland; Hannover. URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Downloads/studie_mineralische_rohstoffe_2017.html
3 BGR (2024): Studie: Kritische Mineralische Rohstoffe in Deutschland; Hannover. URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Nachrichten/Aktuelles/2024/2024-08-15_studie-kritische-mineralische-rohstoffe-in-deutschland.html.
4 BGR (2024) Bericht zur Rohstoffsituation in Deutschland 2023; Hannover. URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Downloads/rohsit-2023.html
5 Aluminium Deutschland (2025): Produktion von Rohaluminium; URL: https://www.aluminiumdeutschland.de/statistiken/produktion-von-rohaluminium/
6 Wirtschaftsvereinigung Stahl (2023): Stahlschrott – Statistischer Bericht 2023. URL: https://www.wvstahl.de/wp-content/uploads/20230905_StatistischerBericht-_Stahlschrott_2023.pdf
7Recyclingkapazitäten von Lithium-Ionen-Batterien in Europa – Entwicklungen 2024 – Fraunhofer ISI (https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/themen/batterie-update/lithium-ionen-batterie-recycling-europa-kapazitaeten-update-2024.html)
8 TüvNord: Elektro Auto Batterie
9 Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2023): Deutschland – Rohstoffsituation 2022
11 BGR (2024) Bericht zur Rohstoffsituation in Deutschland 2023; S.22
13 BGR (2024) Bericht zur Rohstoffsituation in Deutschland 2023
15 Der Green Deal ist eine zentrale Strategie der Europäischen Union zielt darauf ab, den Rohstoffverbrauch zu senken, die Kreislaufwirtschaft und höhere Recyclingquoten fördern sowie Europas Importabhängigkeiten zu reduzieren. Gleichzeit soll eine nachhaltige und sichere Rohstoffversorgung für Zukunftstechnologien gewährleistet werden. Deutschland ist als Mitgliedsstaat der EU an die entsprechenden EU-Richtlinien und Verordnungen gebunden.
16 DERA – Deutsche Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2023); _DERA-Rohstoffliste 2023. – DERA Rohstoffinformationen 56: 122 S., Berlin; https://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/DERA_Rohstoffinformationen/rohstoffinformationen-56.pdf?__blob=publicationFile&v=4
17 GTAI Germany Trade & Invest (2025): China führt Exportauflagen für kritische Metalle ein
18 Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2024): Deutschland – Rohstoffsituation 2023. – 218 S.; (S. 90).
19 Mancini L., Vidal Legaz B., Vizzarri M., Wittmer D., Grassi G., Pennington D. Mapping the Role of Raw Materials in Sustainable Development Goals. A preliminary analysis of links, monitoring indicators, and related policy initiatives. EUR 29595 EN, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2019. ISBN 978-92-76-08385-6, doi:10.2760/026725, JRC112892 (S. 60).
20 Karlsruher Institut für Technologie (KIT) (2023): Nachhaltiges Lithium für viele Jahrzehnte
21 Resilienz ist die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit eines Systems (hier die rohstoffverarbeitende Industrie) bei Störungen (z. B. in den Lieferketten).
23 Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie und Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt z.B. veröffentlichen dazu auf den jeweiligen Webseiten
24 GSEU – Geological Service for Europe
25 BGR – Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2024): Deutschland – Rohstoffsituation 2023
26 DERA – Deutsche Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
28 Lehrmaterialien wie GeoKoffer, Naturstein- und Sand/Kiesfibel, Kalkmuseum – Faszination Kalk und Rohstoffgewinnung & Biodiversität.
29 Siehe auch Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG): Transparenz fördern; Selbstverpflichtung zur aktiven Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung
30 Arbeitsgemeinschaft deutscher Geoparks (AdG) (2024): Geoparks in Deutschland. URL: https://www.geoparks-in-deutschland.de/
32 Vgl. weitere Ausführungen: Beschäftigung und Soziales „Unternehmerische Verantwortung“.
33 UN (Vereinte Nationen) (2020). Global Compact
34 OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
36 OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten (2019), abrufbar unter https://doi.org/10.1787/3d21faa0-de; OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur konstruktiven Stakeholderbeteiligung im Rohstoffsektor (2017), abrufbar unter https://doi.org/10.1787/9789264285026-de
37 Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (2024). URL: https://www.bafa.de/DE/Lieferketten/Ueberblick/ueberblick_node.html
38 European Raw Materials Alliance (ERMA). URL: https://erma.eu/
39 Minerals Security Partnership (MSP). URL: https://www.state.gov/minerals-security-partnership/
40 Rohstoffstrategie der Bundesregierung: Sicherung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung Deutschlands mit nichtenergetischen mineralischen Rohstoffen (2020). URL (Stand: August 2022): https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/rohstoffstrategie-bundesregierung.html (bspw. S. 23)
41 Kathryn Sturman, Julia Loginova, Sandy Worden, Joshua Matanzima and Andrea Arratia-Solar (2022): Mission critical Strengthening governance of mineral value chains for the energy transition.URL: EITI Mission Critical Report 2022.pdf
42 EITI (2022): Making the grade: Strengthening the governance of critical minerals